„Merry Crisis!“ - Wie du Weihnachten gut überstehst

Wenn der Geruch von Glühwein den Raum erfüllt und die Nachbarin wieder einmal die Lichterketten aufhängt, während Mariah Carey zum zehnten Mal in Folge Weihnachtsschnulzen trällert, dann ist gewiss: Weihnachten ist nah.

Für viele Menschen ist diese Zeit die schönste des Jahres – sie verbringen Zeit mit ihren Liebsten, genießen gutes Essen und Trinken und machen die Weihnachtsmärkte unsicher. Doch was kann man tun, wenn diese Zeit alles andere als fröhlich & besinnlich ist? Frische Trennungen, schwieriges Verhältnis zur Familie, nervige Fragen von Verwandten nach dem Beziehungsstatus und depressive Verstimmungen aufgrund des Wetters können diese Zeit für viele alles andere als angenehm machen.

In diesem Blog Beitrag will ich dir anhand von realen Klient:innengeschichten erzählen, wie andere Menschen das Beste aus dieser Zeit gemacht haben und wie wertvoll es sein kann, das starre Bild von „der perfekten Weihnachtszeit“ loszulassen.

(Die Geschichten wurden von mir selbstverständlich anonymisierten und soweit abgeändert, dass keine Rückschlüsse auf die Personen dahinter möglich sind)

Maria, 33

Die erste Klientin, die ich euch gerne vorstellen würde, heißt Maria. Eigentlich liebt sie Weihnachten und kann sich nichts Schöneres vorstellen als mit ihren Liebsten gemeinsam Kekse zu backen und in der Küche zu „Under the Mistletoe“ laut mitzugrölen. 

Dieses Jahr sieht sie das jedoch anders, denn sie ist single und fühlt sich zunehmend einsam. Wie gerne würde sie mit einem Partner auf der Couch kuscheln und Weihnachtsschnulzen anschauen. Zusätzlich kann sie dieses Jahr Weihnachten nicht bei ihrer Familie verbringen, da diese sich zu der Zeit im Ausland befinden wird.

Marias Frage war, wie sie sich von negativen Gedanken ablenken und die Weihnachtszeit trotzdem genießen kann.

Maria hat es geholfen, ihre eigenen Emotionen zuzulassen und sich selbst nicht dafür zu verurteilen, dass ihr Wunsch nach einem Partner gerade jetzt in der Weihnachtszeit stärker ist. Auch die Tatsache, dass die Familie dieses Jahr verreist ist, hat in ihr wechselseitige viele Gefühle auslöst – darunter Wut, Trauer, Einsamkeit aber auch ein Quäntchen Erleichterung. Selbst dieses Gefühlchaos ist in Ordnung!

Hilfreich war für Maria außerdem der Fokus auf Dinge, die ihr Freude bereiten. Da Maria gerne Zeit mit Freund:innen verbringt, Wellness macht und sich an der frischen Luft bewegt, sind das für sie gute Ablenkungen in dieser Zeit, die ihren Blick auf die positiven Seiten der Weihnachtszeit lenken.

Und wer sagt überhaupt, dass Weihnachten jedes Jahr mit der Familie verbracht werden muss? Vielleicht ist es genau so schön, mit Freund:innen Fondue zu essen, Sing-Star zu spielen und unter eine warme Decke gekuschelt einen Film zu schauen (“Friends-Mas”).

Eine andere Möglichkeit könnte für Maria auch ein Videocall mit der Familie sein, zu dem sie sich selbst etwas Gutes kocht, ihr Weihnachtskleid anzieht und auf diesem Weg gemeinsam mit ihrer Familie feiert. Auch alternative Beschäftigungen wie alleine ein paar Tage wegzufahren oder sich ehrenamtlich zu betätigen zieht sie in Erwägung, um Gleichgesinnte zu treffen und sich nicht mehr so alleine zu fühlen.

Katharina, 27

Meine Klientin Katharina sieht Weihnachten ganz anders als Maria. Sie findet nämlich, dass diese Zeit komplett überbewertet wird und ohnehin nur konsumorientiert und stressig ist. 

Den Heiligen Abend verbringt sie normalerweise jedes Jahr mit ihrer Großfamilie, wo immer nur gestritten wird. Entweder ist das Kleid der Schwester wie immer zu kurz, der Onkel trinkt zu viel und startet politische Diskussionen oder die Oma versteht einfach nicht, dass die Frage „wann sie denn endlich Kinder bekommt“ grundsätzlich nicht angebracht ist.

Katharina kann sich von diesen unnötigen Streitereien und Nörgeleien nur schlecht abgrenzen und sucht nach einem Weg, ein harmonisches Weihnachtsfest zu verbringen – obwohl sie am liebsten Weihnachten samt Familienfeier einfach ausfallen lassen würde.

Katharina, wie auch oben schon Maria, hat es geholfen, das gesellschaftlich geprägte „starre Bild“ vom perfekten Weihnachten ein wenig zu hinterfragen. Nicht nur dieser Tag sondern die gesamte Adventszeit muss nicht für jeden eine besondere Bedeutung haben; es kann auch ein Tag wie jeder andere sein, ein paar Wochen im Dezember.

Eine wichtige Ressource war bei Katharina die Definition ihrer eigenen Erwartungen und Bedürfnisse in dieser Zeit. Was braucht sie in diesem Moment/was wünscht sie sich? Darunter waren Ruhe und Entspannung nach einem anstrengenden Jahr, Abstand von von den Feierlichkeiten und der Respekt der Familie gegenüber allzu persönlichen Fragen, die sie nicht beantworten möchte. Hinhören lohnt sich – denn mit diesem Wissen kann man besser für sich selbst einstehen!

Um den Weihnachtsabend dann so entspannt wie möglich zu gestalten, könnte es Katharina helfen, im Vorhinein klare Grenzen zu setzen. Über welche Themen soll nicht gesprochen werden, wie kann Katharina besser mit Nörgeleien umgehen? Eine Grenze kann auch zeitlich sein, zum Beispiel wann Katharina die Familienfeier verlassen wird – oder ob sie überhaupt daran teilnehmen will. Einfach ist das nicht, denn wer will schon der eigenen Familie sagen, dass einem alle gehörig auf den Nerv gehen und man lieber alleine feiert (oder gar nicht)? Bei so einem Gespräch/Schritt ist es vor allem wichtig, auch auf mögliche Konsequenzen vorbereitet zu sein und damit umgehen zu können. 

Der Gedanke, der Katharina dabei Kraft gibt: auch die Weihnachtszeit hat irgendwann ein Ende und es ist okay wenn einem das nun mal nicht ganz so viel bedeutet.

Raphael, 37

Raphael leidet, wie schon die Jahre davor, an einer saisonalen depressiven Verstimmung (auch als „Winterdepression“ bekannt). Sobald die Tage kürzer und dunkler werden, kommt er nur noch schwer aus dem Bett, fühlt sich den ganzen Tag erschöpft und verliert die Freude an Aktivitäten, die ihm sonst immer Spaß gemacht haben. 

Dadurch zieht er sich auch sozial zurück, was ihm als Single die Suche nach einer Partnerin noch schwerer macht. Familiäre Verpflichtungen in dieser Zeit stressen ihn sehr, da er einfach nicht die Energie dafür hat.

Raphael hat nach Tipps gesucht, um diese Zeit besser zu überstehen und seine Stimmung & Energie zu verbessern.

Kälte und Dunkelheit setzten der Psyche von vielen Menschen im Winter mächtig zu und auch wenn es sich um keine ausgewachsene Winterdepression handelt, so ist die Grundstimmung von vielen in dieser Jahreszeit wesentlich schlechter. Aufgrund der wenigen Sonnenstunden mangelt es dem Körper oft an Vitamin D, das einen großen Einfluss auf Energie und Stimmung hat. Raphael konnte Vitamin D in Form von Tabletten / Tropfen super supplementieren die es heutzutage in jeder Apotheke und Drogerie zu kaufen gibt.

Generell kann Licht, besonders in der Früh, eine Wohltat für die Stimmung sein. Raphael half es sich eine Tageslichtlampe zuzulegen und macht nun auch regelmäßige, kurze Spaziergängen an der frischen Luft. Bewegung im Allgemeinen ist sowieso immer eine gute Methode um negative Gedanken zu vertreiben und die Stimmung zu heben! Zusammen mit einem gesunden Frühstück konnte Raphael durch die Morgenroutine nach und nach wieder seine Energie zurückgewinnen. Diese Energie hat ihm wiederum geholfen seinen Alltag zu meisten und den Weg in eine regelmäßige psychologische Beratung erleichtert.

Raphael hat auch begonnen, sich wieder öfter von seinen Freund*innen zu gemeinsamen Unternehmungen mitreißen zu lassen – in dieser kalten Zeit tun ihm vor allem regelmäßige Saunabesuche gut. Regelmäßige Saunabesuche sind übrigens nicht nur gut um der Kälte zu entkommen, sondern unterstützen auch das Immunsystem – wieder gut durch die Nase atmen zu können, kann überraschend befreiend wirken. Weiters hat er erkannt, dass es für ihn wichtig ist, klare Grenzen zu seiner Familie zu setzen und auf seine Bedürfnisse zu achten: Wie viel Energie hat er für die Weihnachtsvorbereitungen? Möchte er dieses Jahr Weihnachten mit der Familie feiern? Will er spontan vorbeischauen oder vielleicht um 20.00 wieder heimgehen? All dies kann er bereits im Vorhinein abklären, was den Druck aus der Entscheidung nimmt.

Dazu muss gesagt werden: Wenn das alles so einfach wäre, würde niemand mehr an einer Winterdepression leiden. Der Fokus sollte hierbei also auf kleinen Schritten liegen! Wie wärs mit einem guten Frühstück?

Fazit

Trenne dich von Erwartungen und lenke deinen Fokus auf deine eigenen Bedürfnisse und das, was dir gut tut.

Weihnachten muss nicht für jeden Menschen eine große Sache sein und man darf Weihnachten auch anders feiern, als es uns die Gesellschaft vorschreibt. Wichtig: Versuche dir kein schlechtes Gewissen zu machen (oder machen zu lassen), dass du andere Bedürfnisse als deine Familie hast! Daran ist nichts falsch.

Setze klare Grenzen mit der Familie. Was ist zu viel?

Die Frage nach dem Beziehungsstatus oder der Kommentar zu den „überflüssigen Kilos“ sind einfach nie angebracht, was man im Vorhinein bereits leicht kommunizieren kann. Und sollten diese Grenzen dann trotzdem überschritten werden, habe den Mut das auch höflich aber bestimmt anzusprechen. Halte dir außerdem die Option offen, die Feier frühzeitig zu verlassen – du musst dir das nicht antun, wenn du das nicht möchtest!

Gesunde Gewohnheiten in der kalten Jahreszeit können dir Halt & Kraft geben – dein Körper und deine Psyche werden es dir danken!

Achte daher umso mehr auf eine ausgewogene Ernährung, bewege dich an der frischen Luft, setze dich jeden zweiten Tag abends in die Badewanne oder gönn dir regelmäßige Saunabesuche. Hierfür gibt es keine Regeln; suche eine Routine, die dir guttut und Freude bereitet und sei geduldig – manchmal kann es ein paar Tage dauern bevor diese positiven Effekte einsetzen.

 

Und zu guter Letzt: Ich wünsche dir frohe Weihnachten – ganz egal ob du alleine, mit Freund:innen, der Familie oder gar nicht feierst. Lass es dir gutgehen! ♥️

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